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Farbenfrohes Süsswasser - Seesaiblinge

AutorTotos : Uwe Scherner - Diplom Biologe
Co-Autor: Dr. Hans-Peter Bühler

Ich frage mich immer wieder warum Taucher um den halben Globus fliegen und zum Ausstoß von Unmengen CO2 beitragen*, nur um bunte Fische zu sehen. Dabei kann es so einfach sein: Weniger als 50km vor «meiner Haustüre» habe ich zwei Gewässer betaucht, um bei einer farbenfrohen Saiblingshochzeit Zeuge zu sein.

Zugegeben, etwas Enthusiasmus ist schon hilfreich, denn es war ein kalter, dunkler und regnerischer Novembertag, als ich in einem Bergsee mit Trocki und 18kg Blei zum Schnorcheln gegangen bin.  Gleich über dem See lag tatsächlich schon Schnee. Zu allem Überfluss hatte ich den Reißverschluss des Anzugs nicht exakt geschlossen, was mir nach einem kleinen Wassereinbruch blitzartig bewusst geworden ist. So schnell war ich schon lange nicht mehr zurück am Ufer. Aber so eine kleine Panne konnte mich nicht aufhalten.
Im Bergsee tummelten sich fast 100 farbenfrohe Seesaiblinge auf einem kleinen Areal unter mir in ca. 3m Tiefe auf den Kiesflächen. In einem weiteren Gewässer, einem Baggersee neben der Autobahn, hatte der zuständige Fischereiverein ebenfalls Seesaiblinge eingesetzt.
Anfangs konnte ich sie nur von Weitem beobachten. Aber nach über 1 Stunde Tauchzeit wurde es dunkel, und die wunderschönen Tiere zutraulicher. Beide Tauchgänge waren phantastische und unvergessliche Erlebnisse die mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben werden.

 

Der Seesaibling gehört zur Familie der Lachsfische (Salmonidae) und zählt bei uns zu den einheimischen Fischen. Wie alle Lachsfische haben sie am Rücken kurz vor der Schwanzflosse eine kleine Fettflosse. Die Saiblinge stellen hohe Ansprüche an die Wasserqualität. Es muss kalt, sauerstoffreich und sehr sauber sein.
Im Alter von 2 bis 3 Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Als Jungtiere sind sie im Schwarm unterwegs. Später dann meist einzeln. Saiblinge haben ein breites Nahrungsspektrum. Dazu zählen Würmer, Egel, kleine Krebse, Insekten, Muscheln, und Amphibien. Grössere Exemplare ernähren sich teils von Fischen (auch der eigenen Art). Seesaiblinge werden 40 bis 75 Zentimeter lang und gelten mit einem maximalen Alter von 40 Jahren als langlebig. Ausgewachsen können sie ein Maximalgewicht von 10 Kilo erreichen.
Je nach Lebensraum besitzt der Seesaibling eine unterschiedliche Färbung und ist ausserhalb der Paarungszeit am weissen Vorderrand der Bauchflossen und Afterflosse sowie an der grösseren Maulspalte von den Forellen zu unterscheiden. An den Seiten hat er immer helle Punkte.
Wir Taucher können sie besonders leicht bei ihrer Hochzeit beobachten. Einziger Nachteil, sie heiraten im Winter. Zu dieser Zeit sind sie für uns gut zu erkennen, den in der Paarungszeit färben sich vor allem bei den Männchen der sonst weissliche Bauch und die bauchseitigen Flossen rot. Zur Eiablage sind sie auf kiesigen Untergrund angewiesen, was die Suche nach ihnen zusätzlich erleichtert. Wir treffen dann auf die so genannten «Uferlaicher», die sich von November bis Januar in nur wenigen Metern Tiefe fortpflanzen. Die «Grundlaicher» hingegen haben Ihre Hochzeit von Juli bis August in 20 bis 80 Meter Tiefe über Steinboden.
Rafft Euch auf und «besucht» trotz Kälte die wunderbare Saiblings-Hochzeit!

Viel Erfolg wünscht Euch Dipl.-Biol. Uwe Scherner – SUSV Umweltkommission (Coautor: Dr. Hans-Peter Bühler, SUSV Umweltkommission)

*Ein Maledivenflug belastet den Planeten mit 4200kg CO2 pro Person. Um unsere Klimaziele zu erreichen, darf bis zum Jahr 2050 pro Person und Jahr nur noch 1300kg CO2 ausgestoßen werden.