Kontakt SUSV Intern

DAS SCHIFFSWRACK BRUNO

«Bruno» – ein nicht alltägliches Projekt
Am 21. April versenkte der Tauch- und Wassersportverein Brunnen (TaWaS) ein ausgedientes Lastschiff namens «Bruno». Das Wrack wird bereits rege besucht. Welch enormer Aufwand aber eigentlich hinter dieser tauchtouristischen Attraktion steckt, vermuten die Wenigsten… Die vier «Reisser» berichten.

Unsere erfolgreiche Story begann eigentlich ganz harmlos! Hätten wir allerdings die ziemlich aufwändigen Folgen unserer «Bierdeckel-Idee» im Voraus auch nur ansatzweise erahnen können, so hätten wir uns alle wohlweislich gehütet!

Spätsommer 2005 (Natelgespräch)
«Was meinst du zu meiner Idee: Wir bekämen von der Bauunternehmung XY kostenlos ein 25 m langes, ausgemustertes Stahl-Lastenschiff. Könnten wir den Kahn nicht versenken, anstatt ihn verschrotten zu lassen? Das gäbe doch eine Übungsplattform für unsere Schulungstauchgänge!»

«Du meinst, in einer Nacht- und Nebelaktion?»
«Ums Himmels Willen, nein! Das Ganze müsste schon auf legalem Weg erfolgen! Könntest du mir behilflich sein, einen geeigneten Standort zu suchen?»
«Du weisst, dass ich für jeden Unsinn zu haben bin!»

Anfangs Oktober 2005
Mit GPS, Echolot und Radar an Bord fahren wir systematisch eine grössere Seefläche ab und suchen im so genannten «Hunderti», vor Brunnen nach einer natürlichen Ebene unter Wasser. Wir finden in 17 m Wassertiefe eine solche.

Anschliessendes Bordgespräch: «Ich werde mich jetzt einmal bei den Politikern und Amtsvorstehern vorsichtig erkundigen, was sie von meiner Idee halten».
«Da bin ich ja mal gespannt!»

Ende Oktober 2005 (Natelgespräch)
«Du, ich habe mit diversen Ämtern gesprochen. Die haben sich nicht unbedingt negativ gegen ein solches Projekt geäussert! Zeit, dass wir mit unserem Präsidenten sprechen!»
- Dieser schluckt zuerst einmal leer, schaut uns dann ziemlich konsterniert an, will die Sache an der nächsten Vorstandssitzung jedoch vorbringen. Seine Bedingung: Es darf den Verein nichts kosten. Schliesslich haben wir gerade unser neues Clublokal bezogen und eine neue Füllstation in Betrieb genommen.

Mai 2006
Schlusssätze der kantonalen Behörde auf unsere erste Baueingabe vom 02.11.2005 hin, adressiert an die Gemeinde: «…Es wird der Bauherrschaft daher empfohlen, auch einen Rückzug der Eingabe zu prüfen. Wir bedauern, Ihnen und der Bauherrschaft keinen besseren Bescheid geben zu können und verbleiben..»

Das fordert uns heraus: Nach Gesprächen mit Einsprechern erfolgt eine sauber ausgearbeitete, zweite Baueingabe mit verbindlichen Plänen und Seegrundaufnahmen.
Unser Bericht würde wohl diese ganze Nereus-Ausgabe beanspruchen, wollten wir in diesem detaillierten Stil weiterfahren. Die Fortsetzung deshalb in leicht geraffter Form..!

Dezember 2006/Januar 2007
Die Baubewilligung liegt vor! Mit einem deprimierend umfangreichen Auflagendossier machen wir uns an eine Besichtigung des mittlerweile im Kt. Nidwalden stationierten Lastschiffes «Bruno». Die Bestandesaufnahme ist ernüchternd. Trotzdem listen wir sämtliche Massnahmen und Vorkehrungen auf, welche für eine Versenkung notwendig sind. In Windeseile wird ein Zeitplan erstellt. Ehrgeiziges Ziel: Versenkung im April 2007. Der Eigner drängt uns. Ihn kosten die Hafengebühren ziemlich viel Geld!

Februar 2007
An sämtlichen Wochenenden wird der Kahn ausgeräumt und die Demontage des mehrere hundert Kilogramm schweren Motors vorbereitet und durchgeführt. Um den voluminösen Tank zu entfernen, muss die bestehende Deckluke erweitert und wieder zugeschweisst werden.

März 2007
Die Holzkabine und der Motorenraum werden an einem Wochenende sandgestrahlt. Rund 300 kg Quarzsand – versetzt mit schädlichen Farbpartikeln – werden anschliessend wieder aus dem Motorenraum entfernt. Mit chemischer Hilfe werden letzte Öl- und Fettreste entfernt.

Da wir befürchten, dass sich die morsche Holzkabine infolge ihres Auftriebes losreisst, werden die Kabinenwände teilweise erneuert. Mit Zugbändern verbinden wir ausserdem das ganze «Häuschen» bombensicher mit dem Deck.
Auch der Schweissbrenner ist gefordert: mehrere Öffnungen in den Schiffsschotten ermöglichen später eine regelmässige Flutung. Auf dem Deck werden kreisrunde Aussparungen zur Entlüftung sowie zum Einführen der Pumpenschläuche herausgetrennt.

April 2007
Die Zeit drängt! Köbi, einer unserer tauchenden Ingenieure, berechnet uns die Halteschlaufen, an welchem später die 30 Tonnen hängen werden. Und einmal mehr greift das Handwerkergenie Ueli – seines Zeichens Kassier TaWaS – zur Elektrode!
Der Präsi hat mittlerweile mit einer Lawinensondierstange eine Schlickschicht von weit über zwei Metern am vorgesehenen Standort festgestellt. Wir befürchten deshalb, dass der Kahn – trotz kontrolliertem Absenken mittels Krans – auf dem leicht abschüssigen Seegrund abrutschen könnte (mit Recht, wie es sich später herausstellt!). Also wird «Bruno» mit zwei Stahltrossen zum Land hin gesichert werden müssen.
Das AfU Kt. Schwyz (Amt für Umweltschutz) überzeugt sich von der Seriosität unserer Arbeit und erteilt grünes Licht.

20. April 2007
Unsere beiden Hauptsponsoren (ach ja, die mussten wir ja auch noch suchen und überzeugen) sind jetzt konkret gefordert! Bruno wurde nämlich mittlerweile vom Kanton Nidwalden zum Nachbarkanton Uri geschleppt. Heute soll der schwere Pneukran der Firma Fanger auf einen schwimmenden Ponton in Flüelen gefahren werden. Alleine die Zusatz- und Stabilisierungsgewichte dieses Kranes weisen dasselbe Gewicht auf wie unser Bruno! Der Kranführer will den Lastkahn von seinem schwimmenden Gefährt aus probehalber einmal hoch hieven. Um 21.30 Uhr verlassen die letzten Mitarbeiter die Werft der Arnold AG!

21. April 2007
06.00 Uhr. Eine schwimmende Arbeitsplattform wird von den zwei starken Lastschiffen «Uri 34» und «Uri 49» in die Mange genommen. Ein unscheinbares, aber umso effizienteres Kraftpaket aus Bundeswehrbeständen schiebt mit. Auf der Plattform ein riesiger Pneukran mit einer Hebekraft von über 30 Tonnen. Der seltsame Konvoi passiert historische und umstrittene Stätten: Tellsplatte, Rütli, Brunnen (die beiden letzteren hochaktuell!). In kurzem Abstand folgt ein für uns ebenso wichtiger Tross: Die Uri 35 überführt unseren «Bruno» zur letzten Ruhestätte!

08.00 Uhr. Genau nach Drehbuch wird der schwimmende Kran an Land gesichert. Bruno ist mittlerweile auch eingetroffen.

09.00 Uhr. Angehörige der Feuerwehr Ingenbohl-Brunnen werden per vereinseigenem Schiff auf die Arbeitsplattform überführt und legen die Wasserschläuche aus. Mit zwei starken Spritzenpumpen werden 4000 Liter Wasser pro Minute in die Innereien von Bruno gepumpt. Allmählich geht dieser in die Knie…Gleichzeitig montieren unsere Taucher die Sicherungstrossen zum Land hin.

11.00 Uhr. Der ausgediente Lastkahn hängt nun vollständig geflutet und – bedingt durch den Auftrieb etwas leichter geworden – in den starken Gurten des Spezialkranes. Während des Absenkens neigt sich Bruno bedrohlich auf eine Seite. Der erfahrene Kranführer weiss Bescheid: Sobald die Restluft entwichen sein wird, richtet er sich wieder auf. Die begleitenden Taucher werden im Notfall den Ablauf sofort stoppen. Doch alles verläuft plangemäss. Ein letzter Luftschwall, die Kabine kommt nochmals hoch, – dann entschwindet Bruno. Nur noch sichtbar für Taucher…!

Mittlerweile haben bereits viele Tauchkollegen aus der ganzen Schweiz unser Maskottchen «Bruno» besucht. Und schon haben wir das erste «illegale» Werbeplakat am Wrack entfernen müssen! Wir appellieren..!

Ein grosses Dankeschön geht an alle Sponsoren. Ohne sie hätten wir «Bruno» nie seiner neuen Aufgabe zuführen können.

Projektstab
Martin Fussen, Präsident
Ueli Luder, Technik
Karl Schönbächler, Projektleiter
Andreas Merz, Medien

Facebookseite SUSV

© Schweizer Unterwasser-Sport-Verband | System by cms box | Login